Dai Kimoto & his Swing Kids

over 400'000 Km around the World

Geboren: 04.05.1949 in Kurashiki, Japan
Aufgewachsen: in Japan
Wohnhaft: Romanshorn seit 1979
Beruf und Hobby: Musik, Fotografie
Tätigkeit: Musiklehrer, Komponist, Arrangeur, Bandleader, Trompeter etc
Auszeichnung:2005 Kulturpreis Oberthurgauer Rotary Club, Swiss Jazz Award 2008, 2009 Kulturpreis dem Kanton Thurgaus

Mit 15 begann autodidaktisch Trompete zu spielen.

Er gründete mit den Freunden eine Jazzband in der Highschool in seiner Heimatstadt Kurashiki. Da es damals keine Big Band-Noten im Musikladen zu kaufen gab, musste er selber Arrangements schreiben. Da hat ihm musikalische Horizont erweitert und er begann Theorie zu lernen. Er studierte ein paar Theoriebücher, die er im Buchladen fand und analisierte die Aufnahmen der berühmten Bands wie Benny Goodman, Glenn Miller etc. 

Nach der Highschool  stieg er bei einer Big Band ein und begann seine Profi-Karriere. Zwei Jahre später kam er zu einem Fernsehr-Orchester in Tokyo. Mit 25 wanderte er nach London aus, dort spielte er fast ein Jahr beim berühmten Bandleader Tony Evans, dann ging er nach München, spielte am Anfang bei den verschiedenen Formationen bevor er  ins Orchester Max Greger eintrat.

Mit der Auflösung des Orchester 1979 kam er in die Schweiz, ein Urlaub zu geniessen. Sein Urlaub in Romanshorn am Bodensee dauert immer noch. 


eine interessante Lebensgeschichte

Dai Kimoto

 

Musiker – Komponist – Lehrer 

 

Dai Kimoto wurde in der kleinen Stadt Kurashiki in Japan geboren, welche zwischen Osaka und Hiroshima liegt. Er durfte in einem liebevollen Haushalt aufwachsen. Seine Familie und Umgebung lebten in einfachen Verhältnissen. Es war definitiv keine Gegend für Musiker oder Künstler. 

Mit sechs Jahren begann Dai Baseball zu spielen, und der Sport begleitete ihn viele Jahre. Er war ein Sportler mit aussergewöhnlichen Fähigkeiten und grosser Stärke, sodass jeder bei ihm an eine sportliche Karriere dachte. Mit 15 Jahren hörte er eine Dixieland Aufnahme. Wie vom Blitz getroffen, dachte er: „Was für eine wunderbare Musik!“. Diese Musik hinterliess bei ihm ein noch nie gekanntes Glücksgefühl. Von diesem Tag an war sein grösster Wunsch, Trompete zu spielen. 

Am 25. Dezember 1964 kaufte Dai die billigste Trompete die er finden konnte, rannte nach Hause und begann darauf zu spielen. Bisher hatte ihn der Musikunterricht in der Schule nicht interessiert. Durch das intensive Baseballtraining war er sehr müde. Eine junge Musiklehrerin hatte Verständnis mit ihm und machte ihm den Vorschlag: „Ok, wenn du uns nicht störst, kannst du schlafen“. Von allen Schülern war er der einzige mit dieser Ausnahmeregelung, aufgrund seiner hervorragenden athletischen Qualitäten. Dadaurch hatte Dai keinerlei Vorstellung von Musiktheorie, Noten und Rhythmus. Nur die C- Dur Tonleiter konnte er spielen. Begeistert von der Trompete begann er bereits am ersten Tag einfache Lieder zu spielen. 

Von nun an war er verrückt nach Musik. Er kaufte Schallplatten und hörte sie sich genau an. Bald begann er Louis Armstrong, Harry James & Bix Beiderbecke zu imitieren. Das war die einzige Möglichkeit für ihn, ohne Musiklehrer Trompete zu lernen. Dai war sein eigener Lehrer und Schüler. So blieb es sein ganzes Leben. 

Drei Monate später sollte er jedoch dem berühmten Highschool Baseball Team beitreten, um seine grosse, von allen erhoffte sportliche Karriere zu beginnen. Aber Dai wollte dem Baseballteam nicht mehr beitreten. Die Enttäuschung war bei allen gross. Sein Vater war aufgebracht, weil er davon geträumt hatte, dass sein Sohn grossen Erfolg mit dem Sport haben würde. 

Dai hingegen brachte sich selbst das Notenlesen und –schreiben bei. Mit anderen jungen Musikern aus der Schule gründete er eine eigene Band. In jenen Zeiten war es sehr schwierig Musikarrangements für eine Jazzband zu finden. Damit er eigene Arrangements schreiben konnte, kaufte er sich mehrere Theoriebücher und lernte sie täglich bis tief in die Nacht. Bereits nach zwei Monaten konnte er die ersten Arrangements für seine Band schreiben. „Das waren schöne Erinnerungen“ schwärmt er noch heute. 

Nach der Highschool wollte er Profimusiker werden, aber es fehlten ihm die Beziehungen zum Musikbusiness. Eines Abends reiste er zur nächstgelegenen Stadt Okayama, wo er drei grosse Nachtclubs entdeckte, in denen Big Bands spielten. 

In jener Nacht wartete er vor einem Club. Als ein paar Saxophonspieler herauskamen fragte Dai bescheiden: „Entschuldigung, spielen sie in der Band? Ich spiele Trompete und würde gerne professionell Trompete spielen“. Sie waren sehr freundlich zu ihm und sagten „wir gehen jetzt etwas essen, warum kommst du nicht mit uns?“ Im Restaurant sagten sie „Morgen Nachmittag werden wir proben, dann kannst du uns auf deiner Trompete vorspielen“. 

Als Dai spät in dieser Nacht nach Hause kam, war er so aufgeregt, dass er kaum schlafen konnte. Am nächsten Tag ging er zur Probe und der Leiter der Band wollte von ihm etwas auf der Trompete hören. Nachdem Dai vorgespielt hatte, war der Leiter der Big Band sehr zufrieden und fragte ihn, ob er bei ihnen mitspielen möchte. Schon am nächsten Tag bekam er die dritte Trompetenstimme. 

Da Dai nicht vom Blatt spielen konnte, war der erste Auftritt schrecklich. Ein Kollegen beruhigte ihn: „Keine Sorge, eines Tages wirst du ein guter Trompeter werden. Ich konnte bereits viele Erfahrungen sammeln und habe viele junge Musiker gesehen. Aber du bist mutig.“ 

Nach 10 Monaten reiste Dai nach Tokyo und spielte in der Band eines grossen Nachtclubs. Er trat im Fernsehen auf und ging mit berühmten Sängern auf Tournee. Bald erhielt er die Gelegenheit für ein Vorspiel in einem bekannten Fernsehorchester in Tokyo. Dort bekam er eine feste Stelle als Trompeter. 

Mit 25 Jahren verliess er Japan. Dai wollte die Welt sehen. Er flog nach Paris und weiter nach London. Er hatte eine Telefonnummer von einem englischen Trompetenspieler, welchen er vor einigen Jahren in Japan kennengelernt hatte. Dieser spielte im Orchester für das Musical „Hello Dolly“. Dai wollte ihn besuchen. Über einen Posaunenspieler erfuhr er, dass ein Trompetenspieler gesucht würde. Sein Freund rief ihn ein paar Tagen später an und sagte ihm, dass er mit seiner Trompete zum Vorspielen vorbeikommen sollte. Dai wusste nicht welche Art von Musik diese Band spielte. Die Band hiess „The Tony Evans orchestra“. Später fand er heraus, dass „Tony Evans orchestra“ international bekannt war. Die Band war auf der ganzen Welt unter anderem mit Tom Jones auf Tournee. Dai hatte Tom Jones in Japan auf seiner Tournee im Fernsehen gesehen, aber nicht gewusst, dass die Begleitband „The Tony Evans orchestra“ war. Was für eine kleine Welt. 

In dieser Nacht spielte er mit ihnen und bekam den Job als Trompeter.  Nach zehn Monaten gab es Probleme mit der Musikergewerkschaft. So beschloss er England zu verlassen und erkundigte sich nach den besten Spielmöglichkeiten als Trompeter. Jeder empfahl ihm Deutschland, so ging er nach München. 

Januar 1976 war ein sehr harter Winter in Deutschland, etwas, das Dai aus Japan nicht kannte. Er war alleine in den Strassen, kannte niemanden und sprach kein Deutsch. Er hatte keine Ahnung was er machen sollte um ein Leben in München zu beginnen. So beschloss er als erstes eine Unterkunft zu suchen. Er fand ein günstiges Zimmer in einer Pension. 

Am nächsten Tag fragte er einen jungen Mann, der Englisch sprechen konnte, wo sich die nächstgelegenen Jazzclubs befinden. Der Mann gab ihm ein paar Namen in Schwabing. Dai ging noch am gleichen Abend zu einem der Jazzclubs in denen eine Big Band spielte. In der Pause fragte er den Leiter der Band ob er ein Set mitspielen dürfte. Der Leiter der Band war nicht sehr freundlich und sagte „Nein“. Dai erklärte ihm, dass er kein Amateur sei und schliesslich willigte dieser ein. So begann das Leben in München. 

Zu dieser Zeit war das Max Greger Orchestra die erfolgreichste Band in Deutschland. Die Band brachte mehr als 160 Schallplatten heraus. In den 70iger Jahren bekamen seine Musiker mehr als 10'000.-DM pro Monat als Gage bezahlt. Das war sehr viel Geld in dieser Zeit. Für jeden Musiker war es ein Traum, bei ihnen mitzuspielen. 

In der Anfangszeit spielte Dai in vielen unterschiedlichen Formationen, um sein Leben in München zu finanzieren. Aber eines Tages bekam er ein grosses Problem mit der Behörde, da er ohne Arbeitserlaubnis im Land gearbeitet hatte. Er wurde von Deutschland für ein Jahr ausgewiesen. Aus diesem Grund reiste er zurück zu seinen Eltern nach Japan. 

Das Einreiseverbot galt für ein Jahr. Wenige Wochen später erreichte Dai ein Telegramm von Max Greger. Max Greger suchte dringend einen neuen Trompeter. Dai erklärte seine schwierige Situation. Max Greger versprach ihm zu helfen und sich um alles zu kümmern. Zwei Wochen später reiste Dai nach Deutschland und spielte bei Max Greger in der Band. 

1979 brach Max Greger seine Karriere ab und löste die Band auf. Dai reiste in die Schweiz, weil dort seine Freundin lebte, die er später heiratete und drei Kinder mit ihr bekam. Er spielte überall im ganzen Land: in Fernsehshows, im Radio, Aufnahmestudios, Opernhäusern, Kirchen, auf Konzerten mit Bands und Symphonieorchestern usw. Dann kam sein erster Sohn auf die Welt und er wollte sesshaft werden. Er begann Musik zu unterrichten. Dai begrüsste die „frische“ Veränderung von seinem hohen Arbeitstempo. 

Dai war ein sehr beliebter und begehrter Musiklehrer, der nicht nur Theorie unterrichtete. Er versuchte neue Wege zu gehen. Er gründete 2002 die Kinderband „Swingkids“ und organisierte Konzerte. Die Lieder, die sie spielten, waren fast alle selbst komponiert oder von ihm arrangiert. Schnell sprach sich die Spielfreude und die musikalische Ausdrucksweise der Kinderband herum. 

Ab 2005 ging die Band rund um den Globus auf Reisen nach Tokyo, New York, Paris, Buenos Aires, Frankfurt... Viele Preise erhielten Dai’s Swing Kids und sie spielten an vielen namhaften Festivals und TV Shows. 2016 wurde ein Dokumentarfilm „Swing It Kids“ über die letzten zehn Jahre der Band im Kino gezeigt. 

Dai konnte mit seinem grossen musikalischen Erfahrungsschatz auf einmalige Weise den Kindern zeigen, wie man mit Motivation und klangvoller Musik den Menschen grosse Freude bereiten kann. Sympathien und Anerkennung, wie zum Beispiel den Thurgauer Kulturpreis 2009, erhielt er von vielen Seiten. Er selbst blieb immer bescheiden. 

Dai hatte ein wunderschönes Leben mit vielen Höhen und Tiefen und Tonnen von damit verbundenen Erinnerungen. Jetzt kann er sein Wissen und seine Erfahrungen mit jungen begeisterten Schülern teilen. So wird sein Licht und sein Geist in den kommenden Jahren reflektiert. Was für eine wundervolle Lebensgeschichte.